Schild an meiner Wohnungstür!
Als ich heute früh auf dem Balkon sass und die Tageslosung gelesen hatte, da dachte ich bewußt an den 13.08.1961.
"Damals war ich Kind und uns entsetzte die Nachricht, dass die Mauer gebaut war.
Erschüttern tat uns die Tatsache, dass wir nicht mehr zu unseren Verwandten nach Ringenwalde und Reichenow kommen konnten und meine Tante nicht zu uns, wie für den 14.08.1961 geplant, kommen konnte.
Was sollte das?
Ich verstand die Welt nicht mehr.
Ich hatte schon lange ein beklemmendes Gefühl, wenn wir nach Ringenwalde fuhren und war still und eingeschüchtert, weil Mutter uns vorher eingebläut hatte, wir sollten nichts sagen...
Nun sollte Tante Emma morgen nicht kommen können?"
Ja, das war der Anfang vom jahrzehntelangen "Eingesperrt" sein.
Erst am 09.11.1989 fiel die Mauer.
Ich hörte es im Radio und verstand es nicht!
Ich ging zu S. Marianne und sagte zu ihr:
"Die Mauer ist gefallen!"
Ihre Antwort:
"Spinnst du? Machst Du einen Witz? Wie soll das gehen?"
Wir gingen beide zum Fernseher und dann sahen, bzw. hörten und sahen wir es.
Wir waren fassungslos.
Das jahrelange Eingesperrt sein vorbei?
Nicht bei jeder Gelegenheit an eine Grenze stoßen und umdrehen müssen?
Nicht mehr Einreisegenehmigungen beantragen, um Verwandte zu besuchen?
Nicht mehr beklemmende Stille bei der Fahrt und bei der Kontrolle...
Das war vorbei und ich in Süddeutschland!
Das erste Silvester wurde dann am Brandenburger Tor an der Mauer gefeiert.
Ich war in Welzheim und bedauerte mich, dass ich nicht dabei sein konnte (wäre aber sicher nicht dorthin mit den ganzen Trubel gegangen).
Dann stand ich irgendwann am Brandenburger Tor und konnte hindurch gehen, einfach so...
Ich konnte wieder nach Reichenow fahren, nach Buckow und nach Ringenwalde.
Ja, ich fuhr dort mit dem Rad hin.
Die Heimat meines Vaters konnte ich nun besuchen, sehen, wo er aufgewachsen ist, wo meine Tanten, Onkels und Cousinen und Cousens wohnten.
Mittlerweile war ich sogar in Criewen bei Schwedt an der Oder, wo meine Mutter und ihre Geschwister, sowie meine Oma her kamen.
Schade, dass meine Mutter das nicht mehr miterleben konnte, denn im April 1989 ist sie gestorben.
Am 16. und 17.08., also am kommenden Wochenende ist wieder der "Mauerwegslauf" Hier
Ich werde diese Strecke nicht mit laufen, denn das ist für mich viel zu weit, aber ich werde mit dem Fahrrad auf der Strecke sein!
Und immer wieder werde ich mich fragen, wie solch eine Mauer nur zustande kommen konnte!
Gedanken, Emotionen und Eindrücke bewegen mich...
Ich wünsche allen, die hier lesen, ein Nachdenken über die vergangene Zeit und alles, was nun neu geworden ist.
Ich danke Gott dafür, dass ich das alles miterleben durfte.
Es grüßt
Erika / Ika / Eka